in Allgemein

Krautreporter – Rein oder Raus?

Krautreporter. Ist eigentlich schon alles gesagt, aber noch nicht von mir. Weil, gestern nämlich, haben GA und Elquee dazu gebloggt, und ich glaub, das hat mir geholfen, meine diffusen Gedanken zu dem Projekt mal in ein paar Textzeilen zu destillieren. Aber von Anfang an.

Seit ner geraumen Zeit trommelt die halbe Netzgemeinde für ein Projekt namens Krautreporter, welches den „kaputten“ (Online-)Journalismus retten, wiedererfinden oder einfach nur gut machen will. Dafür will man ne knappe Million „crowdfunden“ um den 27 Redakteuren ein Jahr lang die Miete und 2-3 Packungen Nudeln finanzieren zu können.

So weit, so OK. In dem Projekt läuft einiges nicht so sehr rund und die Leute haben auch einige Fettnäpfchen mitgenommen, aber so what. Das läßt mich jetzt nicht unruhiger als sonst schlafen. Aber dennoch „grummelt“ es hier bei mir im Bauch. Da ist zum einen diese unglaubliche Überhöhung des Projekts als Retter von alles und jedem.

„Wenn Krautreporter scheitert, scheitern wir alle“ klingt es durch die Blogosphäre und sowas kann ich schon nicht ab, seit einem jede netzpolitische Petition als letzte Bastion gegen das Böse unter die Nase geschmiert wird, ohne deren Zeichnung ab morgen die Totalüberwachung ausgerufen wird. Aber darum geht’s mir weniger. Ich bin, eher zufällig, auf Weeklys gestoßen, ein weiteres journalistisches Projekt. Und daran sieht man schön, was mich an Krautreporter stört.

Die Krautreporter sagen „Gebt uns Geld, dann laufen wir los“ (und übersehen dabei, dass der „lächerliche Fünfer im Monat“ halt nicht mehr lächerlich ist, wenn es eigentlich drei Zwanziger auf einmal sind) und dafür sehr laut trommeln (lassen), versprechen letztlich dafür aber erstmal nur, dass es dann das journalistische Klinkerklunkerland voller glitzernder Textperlen gibt. Ob das am Ende auch so wird, weiß keiner.

Demgegenüber stellen sich die Macher von Weeklys hin, machen schon mal los, zeigen was sie haben und sagen „Schauts Euch an, später nehmen wir dafür Geld, aber lest’s erstmal, zahlen könnt ihr später, passtscho“. Man muss auch kein komplettes Jahresabo en bloc bezahlen, sondern kriegt wie in der Stammkneipe nen Deckel und wenn der voll genug ist, wird halt mal abgerechnet. Und mit den beiden Arbeitsproben kann man bewerten, ob’s einem behagt.

Während bei den Krautreportern der prospektive Leser dem Projekt also erstmal Vorschußvertrauen (und Vorschuß-Geld) geben muss, in der Hoffnung, dann etwas von den gebratenen Journalismustauben abzubekommen, vertrauen die Leute bei Weekly dem Leser und darauf, dass ihr Produkt gut genug ist, dass man dafür auch zahlt. Das „Wer muss hier auf wen vertrauen“-Verhältnis ist also bei genau umgekehrt. Und da fühl ich mich einfach mehr abgeholt und ernster genommen.

Die Krautreporter wollen die Netzwelt vor dem „ärgerlichen Klickvieh-Gefühl“ retten. Vielleicht wäre es besser gewesen, das nicht mit diesem ärgerlichen Bezahlvieh-Gefühl zu tun.

Disclaimer: Ich hab Weeklys tatsächlich zufällig kennengelernt und bin mit dem Projekt weder verwandt noch verschwägert. Einer der Autoren hat mich aber mal interviewt, als ich meine Zeit noch auf Piratenparteitagen verbraten habe.