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Drossel erschossen, Fuß getroffen

Intensiv und empört wurde sich über die „Drosselpläne“ der Telekom empört. Dazu hatte ich im Frühjahr mal was geschrieben.

Jetzt hat die Verbraucherzentrale NRW es der bösen Telekom gezeigt und gerichtlich erstritten, dass die Telekom diese Pläne auf Eis legen soll. Flatrate ist Flatrate ist Flatrate und wenn man flotte 50MBit/s bucht, dann darf dass nicht irgendwann langsamer werden. Nun gut. Klingt ja erstmal nach nem geilen Erfolg.

Erste Frage: Warum krieg ich dann Mitte des Monats jetzt immer noch ne SMS aufs Handy, dass mein „Inklusivvolumen“ meiner „Internet-Flat“ (sic!) sich dem Ende zuneigt? Alle Welt jammert, wenns ans DSL geht, aber bei mobilem Netz nimmt man das so hin. Oder gibts da auch Klagen? Wenn ja, wo? Wenn nein, warum zur Hölle denn nicht?

Zweite Frage: Was hat man jetzt gewonnen? Die Telekom darf ihre Flatrate nicht mehr drosseln. OK. Dann verkauft sie zukünftig halt entweder den klassischen Volumenvertrag mit Freigrenzen und kappt bei Erreichen der Grenze das Internet ganz oder rechnet dann eben traffic- oder minutengenau ab. Das ist doch jetzt nicht wirklich besser…

Oder sie verkauft die Basisflatrate eben nur noch mit 2MBit/s und obenauf entweder „Highspeed“-Volumenpakete oder, um auch die Netzneutralitätsdebatte ins Boot zu holen, das „T-Entertain-Paket“ mit 3 Filmen/Tag und das Spotify-Package mit „5.000 Songs im Monat“ oder ähnlich.

Für mich klingt der geile Erfolg von oben nach nem ziemlichen Bärendienst, weil das was dann kommt, erstmal ein klarer Rückschritt sein wird. Internetzuggang gehört mittlerweile zum Leben wie Wasser und Brot. Da sollte man sich nicht in solch juristischem Klein-Klein verlieren, sondern politisch dafür sorgen, dass es immer und überall Internet hat.

Dazu gehört, dass es kein „In Deinem Land nicht verfügbar“ mehr gibt. Dazu gehört, dass jeder Haushalt breitbandig angeschlossen wird, so wie er Wasser und Strom gelegt bekommt. Dazu gehört, dass offene WLANs ohne Angst vor Abmahnung betrieben werden dürfen. Internet für alle und überall und zwar richtig.