in Statements

Wir lassen uns unser Fleisch nicht verbieten!

Es ist mal wieder „VeggieDay“-Debatte. In meiner Timeline, nebenan bei den Jusos und in der BILD weint man, dass man „uns das Fleisch verbieten will“. Was nicht ganz stimmt, denn es geht darum, an einem Tag im (beispielsweise) Monat in der Woche ausschließlich vegetarisch/vegan zu kochen und zu servieren. Statt dem üblichen Entrecotè mit Speckbohnen gibt es in der Kantine also nur Tofusteak mit Mittelmeergemüse, Falafel mit Joghurt-Limetten-Dip oder Kichererbsenpfanne und Gemüsecurry.

Ich kann diese Aufregung um VeggieDay und „Fleischverbot“ nicht nachvollziehen. Ich verstehe das nicht. Niemand beschwert sich, das es in der Kantine oder der Mensa keinen Mojito, Caipirinha oder wenigstens alkoholfreie Cocktails gibt und das man da keine Reisen buchen oder Fahrräder mieten kann. Niemand fühlt sich davon in seiner Freiheit eingeschränkt. Aber weil einmal im Monat ausschließlich vegetarisch gekocht wird, dann ist der Katzenjammer groß? Warum?

Warum wird hier von Freiheit, ihrem Verlust oder ihrer Einschränkung geredet, weil es einmal im Monat Falafel statt Fleisch gibt? Ich mein, man wird ja nun nicht mit Waffengewalt in die Kantinen getrieben um dort unter Androhung standrechtlicher Entleibung Brokkoli-Thunfisch-Gazpacho fressen zu müssen. Niemand erleidet einen persönlichen Nachteil oder einen im Berufleben/Studium, wenn er am VeggieDay zwei Straßen weiter beim Feinkosthändler des geringsten Mißtrauens speist.

Es gibt keine Kantinenpolizei, die kontrolliert, das man ja nicht seine mitgebrachte Leberwurstbemme ißt, keine Strafen, keine Sanktionen. Nichts. Nichts, außer das man sich sein Fleisch halt mal von über die Straße holen muss, wenn einem „Falafel mit Joghurt-Limetten-Dip“ nicht behagt.  So ein Veggietag ist ein harmloses, schlimmstenfalls wirkungsloses, Symbol dafür, das wir auch beim Essen mal dran denken sollten wo dieses Stück gebratene Kuh jetzt herkommt und ob es wirklich jeden Tag das Billigminutenschnitzel vom Discounter um die Ecke sein muss.

Soviel Toleranz und Verständnis für eine freiwillige Lebensweise Anderer und das niemanden schmerzende Symbol für eine nachhaltige Ernährung und Lebensmittelherstellung darf man ruhig erwarten.