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Schiedsrichter in Todesangst

UPDATE: Auf Grund der aktuellen Ereignisse in Paris wurde die Ausstrahlung der Dokumentation verschoben. Sie ist aber weiterhin in der Mediathek zu finden.

Heute Abend kommt im Öffentlich-Rechtlichen eine Dokumentation über die steigende Anzahl an Übergriffen auf Fußball-Schiedsrichter: „Tatort Kreisklasse – Wenn der Schiri zum Freiwild wird“. Neben einigen Tweets bin ich über diesen Vorab-Bericht bei der Deutschen Welle darauf aufmerksam geworden, der wie folgt bebildert ist:

schiri

Das Bild ist sehr symbolisch dafür, was im Fußball schief läuft und warum die Anzahl von Abbrüchen und Übergriffen nicht nur gefühlt, sondern auch meßbar steigt. Wenn die „Großen“, die Vorbilder da oben, bei jeder Entscheidung den Schiri umringen, anbrüllen und vollmeckern und wenn das letztlich als Teil der Fußballfolklore auch durch uns Schiedsrichter akzeptiert und trotz eigentlich klarer Regelungen („Wer den Schiedsrichter kritisiert, wird durch Zeigen der Gelben Karte verwarnt“) nicht sanktioniert wird, dann müssen wir uns eigentlich nicht wundern, wenn die Spieler dann auch tatsächlich Grenzen überschreiten.

Sie sehen es ja jedes Wochenende auf Sky, Sport1 und der Sportschau wie sich teuer bezahlte Profis daneben benehmen. Ausraster wie von Klopp oder Mourinho „gehören ja irgendwie dazu“ und die entschuldigen sich ja auch immer wieder brav oder zahlen ihre 15.000€ Strafe. Am nächsten Spieltag geht es dann aber wieder von vorn los. Wie will man denn einem Kreisklasse-Spieler klar machen, das der Schiedsrichter „Tabu“ ist, wenn selbst in höchsten Sphären Bilder wie oben gewohnte Normalität geworden sind.

Wie es anders geht, zeigt Rugby-Schiedsrichter Nigel Owen:

Traurige Money Quote: „This is not soccer!“ – Fußball ist also schon berühmt-berüchtigt dafür, dass Spieler den Schiedsrichter ungestraft anblöken dürfen. Und dabei ist das Vergehen im Video kaum wahrnehmbar: Nach dem ersten Pfiff äußert der Spieler Nummer 9 Grün (links im Bild) das Äquivalent zu „Ey, Schiri!“ – worauf Owen erneut pfeift und den Spieler zu sich zitiert. Offensichtlich ein Vergehen, was auf einem Fußballplatz nicht mal registriert werden würde.

Und da müssen wir Schiedsrichter, Fans, Spieler, Betreuer und Offizielle uns die Frage gefallen lassen ob wir mit der jahrelang akzeptierten „Mecker-Folklore“ nicht Stück für Stück dazu beigetragen und einen Grundstein dafür gelegt haben, dass Fußball-Schiedsrichter immer öfter Opfer von Gewalt auf dem Platz sind.

Die Dokumentation ist bereits jetzt in der Mediathek verfügbar.