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Vier Typos und eine steile These – Lauer und Lobo über das Ende der Piraten

Der Christopher Lauer hat mit dem Sascha Lobo zusammen ein Buch geschrieben. Über die Piratenpartei. 200 Seiten, bei Sobooks – dem e-Book-Startup von (u.a.) Sascha Lobo. Vorneweg: Kein rausgeschmissenes Geld, das Buch liest sich ganz angenehm. Für jedes Jahr seiner Parteikarriere gibt Lauer einen persönlichen Rückblick, gemeinsam wird das Beschriebene dann eingeordnet.

Im Gegensatz zur Berliner Zeitung halte ich das Buch nicht für eine Abrechnung, sondern glaube, dass Lauer damit seine Zeit bei Piraten persönlich einmal aufgearbeitet und -geschrieben hat. Allein schon um den ganzen Irrsinn, den man – ich darf da aus persönlicher Erfahrung sprechen – mitgemacht hat und mitmachen musste, zu verarbeiten und mit dem Kapitel abschließen zu können.

Die Rückblicke sind teilweise sehr persönlich und selbstkritisch – für manchen sicherlich überraschend zeigt sich Lauer da als echter Mensch, mit Fehlern und Ecken und Kanten und – das wiederum geht manch anderem heute immer noch ab – mit der Einsicht in die eigenen gemachten Fehler und wo und wie man vielleicht selbst zu dem Irrsinn auch noch beigetragen hat.

Lauer und Lobo machen dann den Beginn des Niedergangs der Piraten an einem Radio-Interview von Sven Regener fest. Steile These, echt. Mir wäre alles mögliche  als Grund oder Anlaß des Scheiterns eingefallen, aber nicht dieses Interview. Allerdings haben Lauer/Lobo einen Punkt: Das vermeintliche Kernthema Urheberrecht *haben* die Piraten ja auf breiter Seite verkackt.

Es gab tatsächlich nie konkrete Verbesserungsvorschläge. Klar, man hatte was ins Programm geschrieben – aber nie oder viel zu spät verstanden, dass Menschen keine Parteiprogramme lesen. Lauers im Buch beschriebener Vorstoß mit einer konkreten Gesetzesänderung war noch das Konkreteste, was da kam. Ob man das Scheitern aber am Regener-Rant festmachen muss, nunja.

An einigen Stellen finde ich als teilweise unmittelbar Beteiligter der beschrieben Vorgänge das Buch nicht 100% exakt, aber sei’s drum. Es ist ja nicht meine Sicht der Geschehnisse, sondern die von Lauer. Am Ende findet sich noch ein „Gate-Verzeichnis“ wo die eine oder andere Absurdität auch noch reinpassen, aber das interessiert letztlich aber wirklich nur den echten „Feinschmecker“.

Zwei Dinge, die ich vom Buch mitgenommen habe: Die teilweise sehr persönliche Perspektive Lauers und die steile Regener-These. Für die Perspektive lohnen sich meines Erachtens die schmalen 4€ für das Buch, für die These sind 4€ auf jeden Fall kein rausgeschmissenes Geld, auch wenn man sie selbst vielleicht für nicht besonders tragfähig hält.

Die Welt würde sich ohne das Buch weiterdrehen und sie wird mit dem Buch auch nicht aus den Angeln gehoben, aber sagen wir es so: Das Lesen dieses Buchs hat bestimmt weniger meiner Lebenszeit verschwendet als andere Piratendinge. Am Ende bleibt vom Ganzen – auch für mich – das Fazit eines die Piraten begleitenden Journalisten:

Ich mein, das hätte ja auch alles klappen können

Hat es aber halt nicht.