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Bedingungsloses Zeilengeld

tante schreibt zu den Krautreportern und spricht nebenbei einen Punkt an, der meines Erachtens noch ein wenig Beachtung verdient. Ich hab letztens auf Twitter gelernt, dass es bei den Krautreportern nicht so sehr um die Rettung des Onlinejournalismus, sondern um die Schaffung von Freiräumen zur Produktion guter Texte unabhängig von Klick- oder Redaktionsdruck ging.

Das finde ich tatsächlich eine sehr spannende Perspektive: Crowdfunding als Kanal zur Finanzierung eines „Bedingungslosen Zeilengeldes“, welches es Journalisten ermöglicht, tiefgehend und investigativ zu arbeiten, ohne im Hinterkopf die Angst vor der nächsten Miete haben oder dafür eine ungeliebte Auftragsarbeit hinrotzen zu müssen. Schade, dass man diesen Weg nicht gegangen ist.

Dabei wäre ein experimentelles „Journalisten-BGE“ auch ein durchaus ehrenwertes – und in meinen Augen weitaus förderungswürdigeres – Crowdfunding-Ziel gewesen als die tösende und überaus selbstbewußte Ankündigung, es jetzt mal allen richtig zu zeigen. Am Ende hätte man in so einem Experiment vielleicht auch merken können, wie und ob so ein BGE denn funktioniert oder funktionieren kann?

Dann wäre auch das Gap zwischen dem sommerlichen Anspruch an das Projekt und den nun im Herbst vorliegenden ersten Resultaten vielleicht nicht so bedrückend hoch ausgefallen und müssten sich die KR nicht an einer selbstverschuldet nahezu unerreichbar hoch gelegten Meßlatte bewerten lassen müssen.

Es wäre jedenfalls schade, wenn das als Tiger gestartete Projekt nun als Zweitverwertungs-Bettvorleger landen würde.